SO FUNKTIONIEREN DIE CHARTS IN DEUTSCHLAND

Wöchentlich steigen Deutsch-Rap Alben in die Top 10 der offiziellen deutschen Charts ein. Und auch auf den Streaming-Plattformen wie Spotify oder Apple Music, wimmelt es nur so von Deutsch-Rap Tracks in den Top 50. Doch die wenigsten wissen eigentlich, wie sich die Charts berechnen lassen. Oder wie sich das Streaming auf diese auswirkt. Wir wollen versuchen euch das einfach und verständlich zu erklären.

Deutschland und seine Werte-Charts

Die offiziellen deutschen Charts werden wöchentlich von der GfK ermittelt. Dabei nehmen 2800 Händler an der Chartermittlung teil. Darunter sind beispielsweise  iTunes, Amazon, Media Markt und Saturn. Das entspricht einer Marktabdeckung von knapp 90%. Seit 2005 wurde der Release-Tag neuer Alben auf den Freitag gelegt. Eine Chartwoche geht somit von Freitag bis zum drauflegenden Donnerstag – Also sieben Tage. Natürlich können aber auch neben dem typischen Zyklus Alben releast werden. Im Jahr 2007 gab es dann die größte Änderung im Regelwerk der deutschen Charts: Die Werte-Charts wurden einführt. Weltweit ist dieses System noch einzigartig. Aber was heißt das genau? Eigentlich recht einfach. Bei den Werte-Charts geht es nicht mehr, wie vorher, um die verkaufte Stückzahl eines Albums, sondern um den damit erzielten Umsatz einer Platte. Zum besseren Verständnis hier ein einfaches Rechenbeispiel:

Zwei Alben charten in der selben Woche. Das fiktive Album A verkaufte sich in der ersten Woche 10.000 mal zu einem Verkaufspreis von 16 Euro. Das fiktive Album B konnte sich sogar 13.000 mal verkaufen. Album B kostete 11 Euro. Wir berechnen den Umsatz (Preis x Menge):

Album A:  10.000 x  16 Euro = 160.000 Euro Umsatz

Album B:  13.000 x  11 Euro = 143.000 Euro Umsatz

Durch die Werte-Charts würde Album A trotz weniger verkauften Einheiten höher charten als Album B. Es geht also nur um den erzielten Umsatz. Das führte erst zu speziellen Eigenheiten im deutschen Musik-Markt.

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Award für die 1 // Quelle: facebook.com/RAFCamora.official

Überall Deluxe-Boxen

Vor allem die Rap-Industire verstand schnell, dieses System zu ihrem Vorteil zu nutzen. Denn Pop- und Schlager-Stars verkaufen heute meist immer noch mehr als der größte  Teil der Deutsch-Rapper. Doch in der ersten Woche charten diese meist viel besser. Aber woran liegt das? Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind es die langen Promophasen und der damit verbundene Vorverkauf. Dabei geht es meist um die erste Verkaufswoche. Auch die bekannten Deluxe-Boxen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Diese kosten meist doppelt oder dreimal soviel wie die Standard CD. So pushen diese den Künstler aufgrund der Werte-Charts künstlich auf eine viel bessere Chart Postion. Ohne die Deluxe-Boxen würden viele Deutsch-Rapper niemals eine Top 10 Position erreichen. Das Deluxe-Boxen-Game erreichte 2015 seinen absoluten Höhepunkt. In diesem Jahr waren von den 44 Nummer 1 Alben, 18 Hip-Hop Alben. Darunter zum Bespiel Cro, Bushido und Kollegah – Neuer Rekord. Auch die Deluxe-Boxen unterliegen strengen Regelungen. So darf der Wert der beigelegten Extras (z.B. T-Shirts, Caps, Postern, Sticker …), nicht den Wert der Musik in der Box übersteigen. Daher legen die Künstler auch immer mehr Musik in die Boxen, ob zusätzliche EPs oder die Instrumentals. Dadurch können die Künstler hochwertigere Extras beilegen.

Streaming wird immer wichtiger

Seit Februar 2016 zählen auch die Streaming-Zahlen für die offiziellen deutschen Charts (für die Single-Charts schon seit 2014). Allein 2017 nutzten rund 44% der über 14-jährigen Streamingdienste. Davon zahlen sogar 12% für diese. In der Zukunft wird diese Zahl noch immer mehr wachsen. Doch, wie werden die Streaming-Zahlen in die Charts eingerechnet? Erstmal werden nur Streams von Premium-Nutzern (Personen die für Streaming-Dienste zahlen) gewertet. Dabei zählen auch nur Streams die mindestens 31 Sekunden abgespielt werden. Die gängigsten Streaming-Anbieter, wie Spotify, Apple Music und Google Play Music, senden ihre Streaming-Daten an die GfK. Werbefinanzierte Streams werden dabei aber nicht gewertet. Doch wie rechnet man jetzt genau die Anzahl an Streams in die Charts ein. Die Formel hierfür ist nicht ganz so einfach. Als erstes werden nur die 12 meistgespielten Songs eines Albums gewertet. Dabei werden die zwei meistgespielten Songs der meistgespielten Songs heraus gerechnet, um keine Ausreißer auf einem Release zu haben. Diese haben meist auch schon einen großen Einfluss auf die Single-Charts. Außerdem müssen mindestens 6 Songs gestreamt werden. Und so sieht die Formel aus:

( Summe aller Tracks 3 bis 12 x 12  / 10 ) x Wert pro Stream in Euro

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RAF Camora x Gold & Platin // Quelle: facebook.com/RAFCamora.official

Dabei haben Bonez und RAF mit ihrem Album „Palmen aus Plastik“ alle Rekorde gebrochen.  Seit der Berechnung der Streaming Zahlen ist das gemeinsame Projekt  das meistgestreamte deutschsprachige Album. Ihre Platinsingle „Ohne Mein Team“ sogar die meistgestreamte deutschsprachige Single. Das Album gehört jetzt schon zu den erfolgreichsten im Deutsch-Rap. Gold geht ein Album bei mindestens 100.000 verkauften Einheiten. Platin bei mindestens 200.000. Eine Single erreicht bei 200.000 den Goldstatus. Und bei 400.000 den Platinstatus.

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header Quelle: facebook.com/offizielle.deutsche.charts

 

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